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Mittwoch, den 14. April 2010 um 11:33 Uhr

Merkblatt


Landesbetrieb Wald und Holz NRW
Regionalforstamt Hochstift
Stiftsstraße 15
33014 Bad Driburg

Tel.: 05259/9865-0

Forstliches Bildungszentrum
des Landes Nordrhein-Westfalen
Alter Holzweg 93
59755 Arnsberg

Tel.: 02932/981-33

Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten im
staatlich anerkannten Beruf
Forstwirt / Forstwirtin

Stand: November 2009


I . Die Ausbildung zum Forstwirt/zur Forstwirtin in Nordrhein-Westfalen

Informationen - insbesondere zu anerkannten Ausbildungsbetrieben - gibt der Ausbildungsberater  der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen:

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Endenicher Allee 60
53115 Bonn

Tel.: 0228/703256
Ausbildungsberater: Herr Maur
Die folgende Übersicht zeigt insbesondere zentral organisierte Ausbildungsabschnitte:


1. Jahr

August → Ausbildungsvertragsabschluss

September → 1.überbetrieblicher Lehrgang (Arbeitsschutz, sicherer Einsatz der Motorsäge in der Holzernte); Dauer: drei Wochen

Während des Jahres: Berufsschulblöcke am Berufskolleg Am Eichholz in Arnsberg (Landesfachklasse)

 


 

 

2. Jahr

Während des Jahres: ein Berufsschulblöcke am Berufskolleg Am Eichholz in Arnsberg (Landesfachklasse)

März → 2.überbetrieblicher Lehrgang (Begründung von Waldbeständen, Forstschutz); Dauer drei Wochen

Mai → Zwischenprüfung

 


 

 

3. Jahr

Aug./Sept. → Beginn der Landesfachklasse der Berufsschule(drei „O-Blöcke“ mit je vierwöchiger Dauer; Abschluss der Blockbeschulung: ca. März)

ab Mai → schriftl. und praktisch-mündliche Abschlussprüfung

 


 

 

Die überbetrieblichen Lehrgänge und die Landfachklassenunterrichte der Berufsschule finden im Forstlichen Bildungszentrum in Arnsberg-Neheim statt.

Bei einer Vorab-Verkürzung der dreijährigen Regelausbildung um ein Jahr entfällt der betriebliche (somit auch der überbetriebliche) Inhalt und die Vermittlung des Berufsschulstoffes des ersten Ausbildungsjahres.

Persönliche Voraussetzung für den Ausbildungsvertrag ist zumindest ein Hauptschulabschluss des Typs A. Es wird auch eine mit ,Gut‘ bewertete Gesamtleistung der Abschlussprüfung ,Werker für Forstwirtschaft‘ akzeptiert (mit ,Werker‘ schließt eine gesonderte Ausbildung  für z.B. lernbehinderte junge Menschen)

II . Qualifizierungskurse für „berufliche Quereinsteiger“


Der § 40 (2) des Berufsbildungsgesetzes ermöglicht es  Mitarbeitern, die ohne geregelte Ausbildung oder Umschulung einer berufsspezifischen Tätigkeit für mindestens die doppelte Dauer derentsprechenden Regelausbildungszeit nachgegangen sind, ihre Facharbeiterprüfung abzulegen. Das bedeutet, dass ein Waldarbeiter, der quasi als “Hilfsarbeiter“ für sechs oder mehr Jahre im Walde gearbeitet hat, sich der Forstwirtprüfung stellen kann. Den Kammern (allgemeiner: den zuständigen Stellen) ist es freigestellt, die sechsjährige „Wartezeit“ zu kürzen, sofern eindeutige Leistungen der Bewerber nachgewiesen werden können.
Die Waldarbeitsschule NRW  bietet seit vielen Jahren Kurse an, die von der Landwirtschaftskammer als derartige Kürzungsgründe anerkannt werden. Unabhängig davon haben solche ,Quereinsteiger‘ kaum eine Chance die Forstwirtprüfung zu bestehen, wenn sie sich nicht gründlich darauf vorbereiten lassen. Die in Neheim konzipierten Kurse dieser Art erstrecken sich über 2 Perioden á sieben Wochen und sind auf 20 Teilnehmer beschränkt.  Nach dem ersten Kurs findet eine Zwischenprüfung statt. Nach dem zweiten Kurs wird für die Teilnehmer eine Abschlussprüfung arrangiert. Jeder Kurs kann eine Kürzung der ,Wartezeit‘ von bis zu einem Jahr bedeuten.

Diese Lehrgänge werden in Nordrhein-Westfalen zukünftig nur noch angeboten, wenn die Kammern einen ihnen bekannten Bedarf melden. Das dürfte vor 2001 kaum der Fall sein. Wer sich bis dahin für derartige Fortbildungen interessiert, müsste auf das Angebot von Waldarbeitsschulen anderer Bundesländer ausweichen. Das bedeutet zugleich, dass man sich auch der Forstwirtprüfung des jeweiligen Landes stellen sollte, denn sonst wäre das Risiko, die Prüfung wegen landesspezifischer Schwerpunktanforderungen nicht zu bestehen, zu groß.

Die Kurse sind gebührenfrei. Unterbringung und Verpflegung werden separat berechnet. Diese Aufwändungen und jene, mit der Beschaffung von Lehrmitteln anfallen, können derzeit nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) gedeckt werden.

Interessenten hinterfragen derartige Lehrgangsangebote anderer Länder am besten bei der Waldarbeitsschule in Neheim.





III. Vorbereitungskurse für die Meisterprüfung in der  Forstwirtschaft


bietet das FBZ NRW alle zwei Jahre an. Die Lehrgänge beginnen zum Anfang eines Kalenderjahres, umfassen netto ein halbes Jahr (nahezu 900 Stunden) und enden mit der Meisterprüfung im Oktober. Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 15 , bis zu 20 Kandidaten werden akzeptiert. Normalhin ist die Nachfrage größer als die Kapazität der Lehrgänge. Auch deshalb wird im Sommer zuvor eine, Informations- und Auswahlveranstaltung‘ (für Interessenten: zwingend) geboten, während der v.a. die Waldarbeitsschule sich ein Bild über die Kenntnisse und Fertigkeiten der Bewerber verschafft. Mit jedem Teilnehmer an einer solchen Informationsveranstaltung wird ein persönliches Beratungsgespräch geführt, damit er die Chancen für  den positiven Abschluss der Fortbildung individuell einschätzen kann.

Die Meisterprüfung rechtfertigt den Einsatz als betrieblicher Ausbilder, kann zur Leiterfunktion eines Arbeitsteams führen und kann evtuell das betriebliche Management eines Forstbetriebes nach sich ziehen. Qualifizierte Prüfungsabschlüsse können in einigen Bundesländern die Tore zu Fachhochschulausbildungen öffnen.

Vorbereitungskurse an der Waldarbeitsschule Nordrhein-Westfalens kosten Lehrgangsgebühren von derzeit 1000 € zzgl. 200 € Prüfungsgebühr (Unterkunft und Verpflegung werden gesondert in Rechnung gestellt).

Die Vorbereitungskurse in Neheim werden bundesweit ausgeschrieben. Auch Interessenten aus NRW steht es frei, sich in anderen Ländern auf die Meisterprüfung vorbereiten zu lassen. In solchen Fällen ist es allerdings äußerst ratsam, sich auch der Meisterprüfung im entsprechenden Bundesland zu stellen.

Eine Zulassung zur Meisterprüfung erfolgt durch die laut Berufsbildungsgesetz „zuständige Stelle“ des Landes. Sie prüft vor allem, ob die persönlichen Voraussetzungen des Bewerbers erfüllt sind, hier:
berufliche Abschlussprüfung im entsprechenden Berufsfeld (hier:Agrarwirtschaft)
zumindest 36 Monate nachweisliche Beschäftigung in dem Beruf, in welchem die Meisterprüfung angestrebt wird (also:Forstwirtschaft)

Vorbereitungslehrgänge sind nicht verpflichtend, in aller Regel aber Voraussetzung für eine erfolgreiche Prüfung.

Finanzielle Unterstützung ist möglich gemäß Vorgaben des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG) , zuweilen auch kurz, aber nicht korrekt „Meister BAFÖG“ genannt.




IV . Qualifizierung zum Natur- und Landschaftspfleger (NAPF)


ist in Nordrhein-Westfalen ebenfalls möglich. Im Jahre 1988 hat man hier zuerst diese per Lehrplan geregelte Fortbildung entwickelt. Durch eine bundesweit gültige Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss „Geprüfter Natur- und Landschaftspfleger/Geprüfte Natur- und Landschaftspflegerin“ ist nunmehr das Prüfungsverfahren in allen Bundesländern einheitlich geregelt. Die Anerkennung sichert zwischen den Ländern vergleichbare Fortbildungsinhalte und somit auch ähnliche Einsatzfelder der qualifizierten Prüfungsabsolventen und –absolventinnen.

Die Lehrgänge stehen jenen offen, die eine berufliche Abschlussprüfung im Berufsfeld Agrarwirtschaft und nachfolgend eine zumindest dreijährige Berufspraxis nachweisen können.

Die Fortbildung umfasst 12 Wochen. Sie findet in den überbetrieblichen Ausbildungsstätten Waldarbeitsschule Arnsberg-Neheim, Gartenbauschule Wollbeck und Landwirtschaftsschule Düsse statt.

Die Prüfung wird durch einen gemeinsamen Prüfungsausschuss der Kammern Rheinland und Westfalen-Lippe abgenommen.

Berufliche (und somit finanzielle) Vorteile können sich Interessenten bei entsprechenden Einsatzmöglichkeiten im Auftragsspektrum ihrer Arbeitgeber erhoffen.

Die Kursgebühren belaufen sich derzeit auf 1000 € (Unterkunft und Verpflegung separat). Eine Förderung ist nach Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) möglich.

Vergleichbare Qualifikationsangebote bieten auch andere Bundesländer. Über das aktuelle Angebot informiert die Landwirtschaftskammer.




V . Fortbildung zum Forstmaschinenführer



Die Fortbildungsmaßnahme wird derzeit von drei Schulungsstätten in Deutschland angeboten, nämlich:
Waldarbeitsschule Weilburg (Hessen)
Waldarbeitsschule Münchehof (Niedersachsen)
FBZ Neheim-Hüsten (Nordrhein-Westfalen)

Den umfassendsten und zusätzlich durch modernste Simulatorentechnologie gestützten Lehrgang bietet Nordrhein-Westfalen.
Die in Neheim konzipierte Maßnahme erstreckt sich insgesamt über acht Wochen. Vier davon sind theoretischen Grundlagen und Wartungs- sowie vertretbaren Reparaturarbeiten in der Werkstatt vorbehalten. Die Vermittlung von Fertigkeiten in der Bedienung der Maschinen im Gelände startet in der fünften Woche mit Vollernte- und Rückearbeiten in einer virtuellen Waldlandschaft: Simulatoren die im Institut für Roboterforschung der Universität Dortmund im Auftrag der Waldarbeitsschule Neheim-Hüsten entwickelt worden sind, versetzt den Übenden in eine dreidimensional wahrnehmbare Welt und er lernnt „spielend“ an Originalarmaturen wählbarer maschinentypen den Umgang mit real hydraulisch gesteuerten und angetriebenen Kranen und Vollernteraggregaten. Die Umsetzung dieser Fertigkeiten in die Bedienung echter Maschinen im reellen Wald ist den letzten drei Wochen des Kurses vorbehalten. Erfahrene, in Skandinavien auf derartige Einsätze vorbereitete Forstwirtschaftsmeister der Waldarbeitsschule begleiten die praktischen Einsätze kontinuierlich und beurteilen den täglichen Lernfortschritt.

Ein Kurs wird jeweils im Herbst geboten, er ist aufgeteilt in sechs Module (s. untenstehende Übersicht), die auch einzeln gebucht werden können. Die Teilnehmerzahl der kompletten Fortbildung ist auf acht beschränkt; an den theoretischen Modulen können bis zu 12 Bewerber teilnehmen. Die vollständige Maßnahme kostet derzeit ca. 5500 € (ohne Unterkunft und Verpflegung). Sie ist nur unter beschränkten Bedingungen förderungsfähig. Die Lehrgänge sind teilweise nach dem Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz anerkannt.

Die Module der Fortbildung zum Forstmaschinenführer

1. Modul - Grundlagen unternehmerischen Handelns                           18 Std.
EDV für Maschinenführer                                                 20 Std.

 


2. Modul - Ökologie / Umweltschutz                                                  8 Std.
Planung und Durchführung von Holzernteeinsätzen
(Theorie und Wartungsarbeiten)                                       30 Std.


3. Modul - Forsttechnik I                                                                28 Std.


4. Modul - Forsttechnik II                                                               38 Std.


5. Modu - Einführung in die Maschinenbedienung
(Einsatz von Simulatoren)                                                  38 Std.


6. Modul - Planung und Durchführung von Holzernteeinsätzen (Praxis)   3 wöchiger Einsatz in einem Bestand





VI . Eignungsdiagnose für den Einsatz als Forstmaschinenführer


Die Frage, ob man als zukünftiger Fahrer einer großen Forstmaschine (eines Rückezuges oder eines Vollernters) tatsächlich geeignet ist, mag sich mancher stellen, der für ggf. mehr als 10000 DM eine solche Fortbildung ordern kann: lohnt es sich überhaupt, einen solchen Betrag zu investieren, wenn längerfristige Einsatzchancen eventuell durch mangelnde Begabung auf diesem Sektor relativ gering sein werden ?

In der Waldarbeitsschule des Landes Nordrhein-Westfalen arbeitet man seit 1993 an der Erstellung eines Testes, der das Anforderungsprofil für solche Tätigkeiten widerspiegelt. Die im internationalen Rahmen (von EU gefördert) vorangetriebenen Entwicklungen sind noch nicht abgeschlossen. Dennoch hat man inzwischen die Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten im Vergleich zum bereits getesteten Kollektiv zu bewerten. Ergebnisse solcher Prüfungen werden grundsätzlich nur den getesteten Personen überlassen, auch eventuell interessierte Arbeitgeber erhalten keinerlei Auskünfte.

Die Kosten eines Testes teilt die Waldarbeitsschule auf Anfrage mit.



VII . Sonstige Fortbildungen


Selbstverständlich bietet die Waldarbeitsschule auch für Forstwirte und Forstwirtschaftsmeister allgemeine Fortbildungsmöglichkeiten. Diese orientieren sich insbesondere an der Nachfrage der Landesforstverwaltung, stehen aber auch in den meisten Fällen Interessenten anderer Forstbetriebe offen. Der Umfang des Angebotes wechselt von Jahr zu Jahr je nach der dafür freien Kapazität des Lehrbetriebs. Die Lehrgangsplanung erfolgt jeweils im Sommer für das folgende Kalenderjahr. Das Programm wird mit einer detaillierten Beschreibung der Lehrgangsinhalte, Zielgruppen u.s.w. in einer Broschüre veröffentlicht, die u.a. bei der Waldarbeitsschule gegen Übernahme der Versandkosten bezogen werden kann. Von Fall zu Fall bietet es sich an, eine Förderung gemäß Arbeitnehmer-Weiterbildungsgesetz prüfen zu lassen.


 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 17. April 2010 um 11:58 Uhr